Stromnetzkosten steigen wegen E-Mobilität und PV-Ausbau

21.10.2020
Netzkosten gehen in die Höhe
<br /> - Quelle: KELAGNetzkosten gehen in die Höhe
- Quelle: KELAG

Für den kommenden Ausbau von Elektromobilität und Photovoltaik müssen die Stromnetze gewappnet werden - und das kostet viel Geld. Bis zum Jahr 2030 hätte die E-Wirtschaft ohne Smart Meter oder Instandhaltungen gut 10 Mrd. Euro ausgeben wollen, vor allem fürs E-Auto-Tanken und den PV-Strom dürften es um 8 Mrd. Euro mehr werden. Würde nur die Hälfte davon auf die Stromkunden überwälzt, müssten diese im Schnitt 15 Prozent oder 50 Euro pro Haushalt jährlich mehr zahlen.

Diese Beispielrechnung geht davon aus, dass bis zum Jahr 2030 die E-Auto-Durchdringung bei 30 Prozent liegt und die Photovoltaik gegenüber dem jetzigen Stand auf das Achtfache ausgebaut wird, sagte Franz Strempfl, der Spartensprecher Netze des E-Wirtschafts-Verbandes Oesterreichs Energie, am Mittwoch. Das Basisszenario geht von 10,4 Mrd. Euro an regulären Netzinvestitionen bis 2030 aus, allein durch eine hohe E-Auto-Dichte von 30 Prozent kämen 4,3 Mrd. Euro hinzu (bei nur 10 Prozent E-Autos 0,9 Mrd. Euro), samt weiteren Kosten für die PV-Integration wären es 16 Mrd. Euro, zuzüglich neuen Windparks und Groß-PV-Anlagen kommt man auf die bereits bekannte Gesamtsumme von 18 Mrd. Euro. Strempfl geht davon aus, dass die Politik eine Abwägung vornehmen wird, wie viel der Zusatzkosten die Kunden tragen sollen und wie viel sozialisiert werden soll.

Die Einbindung von Wind- und Wasserkraftanlagen sei nicht das Problem, das sei gut planbar - die Herausforderung bestehe darin, die unzähligen kleinen PV-Anlagen ins Netz zu bekommen, sagte der Spartensprecher. Nach dem Plan der Regierung, dass sich Österreich - übers Jahr gerechnet - zur Gänze mit Erneuerbarem-Strom versorgt, erfordert bis dahin die Errichtung von 2 Mio. PV-Anlagen, 1.200 neuen Windrädern und fünf Wasserkraftwerken von der Größe der Anlage Wien-Freudenau, sagte die Geschäftsführerin von Oesterreichs Energie, Barbara Schmidt. Dennoch solle der Strom weiterhin leistbar und sicher aus der Steckdose kommen. Der Zubau von 27 Terawattstunden (TWh) Erzeugung bis 2030, davon 11 TWh PV, 10 TWh Windkraft, 5 TWh Wasserkraft und 1 TWh Biomasse, sei eine "Mammutaufgabe". Länder und Bürger müssten mit im Boot sein, damit das gelinge.

Dass das neue Netztarif-System Leistung (kW) statt Arbeit (kWh) stärker gewichten soll, begrüßt der Spartensprecher. Denn damit könne netzdienliches Verhalten belohnt werden, etwa wenn jemand sein Auto langsam und nicht schnell auflädt, wenn es nicht nötig ist. Durch eine Reihe von Maßnahmen - spürbare Leistungspreiskomponente in den Systemnutzungsentgelten auch auf der Haushalts-Netzebene 7, systemdienliche Smart-Meter-Datennutzung durch Netzbetreiber, ein Netzbetreiber-Ansteuerungsrecht (etwa bei Warmwasserbereitung, um temporär die Netznutzung zu reduzieren) sowie eine PV-Kappung bei einer bestimmten Peak-Leistung - könnten in Summe die Netzanschlusskosten um ein bis eineinhalb Mrd. Euro gesenkt werden, rechnete Strempfl vor: "Bei PV sollte der Eigenverbrauchsanteil möglichst hoch sein und der Rückfluss auf maximal 70 Prozent der Leistung der eigenen Anlage limitiert werden", so der Geschäftsführer der Energienetze Steiermark. Allein dieser eine Punkt könnte dafür sorgen, dass 18 Prozent der Netzreserven erhalten werden.

Quelle: APA