Stromnetzbetreiber APG forciert auch Innovationen

08.11.2019

Der Übertragungsnetzbetreiber APG setzt verstärkt Innovationen und Digitalisierung, um zusätzlich zum unverzichtbaren Netzausbau den Herausforderungen der Energiewende und Dekarbonisierung zu begegnen. Die Bandbreite reicht dabei Drohnen über Batteriespeicher bis hin zur Einbindung von Kunden. Die Verbund-Tochter und kooperiert dabei mit dem Austrian Institute of Technology und dem Klimafonds.

Wenn man eine Dekarbonisierung hin zu Erneuerbarer Energie wolle, gehe es nicht nur um einen Ersatz für thermische Kraftwerke, es gehe um eine völlige Neuausrichtung, ein vollständiger Systemumbau sei nötig, sagte APG-Vorstand Gerhard Christiner am Freitag in einer Pressekonferenz. Der Netzausbau sei unverzichtbar, betonten die beiden APG-Vorstände Christiner und Thomas Karall. Im Netzausbauplan der APG sind 2,9 Mrd. Euro bis 2030 vorgesehen.

Der Netzausbau sei aber nicht das Mittel, mit dem die APG als Übertragungsnetzbetreiber und Systemverantwortlicher alle Themen bewerkstelligen könne, hieß es heute. Die APG arbeite bereits jetzt daran, die Erneuerbaren in das Stromsystem zu integrieren. Mit dem Netzausbau könne die APG aber nicht alle Themen bewerkstelligen. Es gehe um die weitere Digitalisierung, Optimierung, Flexibilisierung und Automatisierung des Energiesystems.

Durch den Einsatz von Drohnen beispielsweise müssen Stromtrassen nicht mehr abgegangen werden. In Kooperation mit der Austro Control habe die APG einen autonomen Drohnenflug über 100 Kilometer entlang einer Stromtrasse durchgeführt, so Christiner. Mit Endverbrauchern kommen auch neue Erzeuger - so genannte Prosumer - in den Markt, die ebenfalls eingebunden werden. Puncto Flexibilisierung der Nachfrage hat die APG hat eine Flex-Hub in Planung, um über eine Plattform Flexibilitätsoptionen zentral zu bündeln und bereitzustellen und damit den Zugriff etwa für das Engpassmanagement zu vereinfachen. Derzeit geht es dabei um die Technologie-Entscheidung, ob Blockchain oder herkömmliche Internet-Technologien zum Einsatz kommen sollen. Weitere Projekte sind etwa ein "Thermal Rating", mit dem die Netznutzung durch Berücksichtigung von Umwelteinflüssen wie Wind oder Temperatur optimiert werden soll. Untersucht werden auch Möglichkeiten, wie Batteriespeicher künftig im Netzbetrieb unterstützen können.

Für die großen saisonalen Schwankungen - mehr Stromerzeugung im Sommer mehr Verbrauch im Winter - werden nach Einschätzung der APG aber weiterhin Pumpspeicherkraftwerke zentral sein, die derzeitigen Kapazitäten dafür würden aber nicht reichen. Auch Gaskraftwerke werden als Brückentechnologie wohl noch länger eine wichtige Rolle spielen. Wichtig zur Erreichung des 100-Prozent-Erneuerbaren-Ziels beim Strom sei aber ein Ökostromausbau im Osten Österreichs.

Wolfgang Hribernik vom AIT verwies auf die Herausforderungen für das Netz durch eine Dekarbonisierung der Industrie. Laut einer Mitte September präsentierten AIT-Studie im Auftrag des Klimafonds könnte die heimische Industrie ihren gesamten Endenergieverbrauch mit erneuerbaren Energien abdecken, wobei nur zur Hälfte an Strom zu denken ist.

Klimafonds-Geschäftsführerin Theresia Vogel betonte, dass mit dem Klimawandel auch Herausforderungen für das Stromnetz entstünden etwa durch Hitze, weniger Wasser oder steigenden Kühlbedarf. Der Klimafonds unterstütze heimische Unternehmen bei Innovationen von der Technologieentwicklung bis hin zur Markteinführung. Allerdings kosteten Innovationen mehr Geld - Kleinserien beispielsweise seien teurer als große Produktionen. Sie fordert für den Fonds deutlich mehr Mittel und sprach heute von mindestens 100 Mio. Euro mehr. Heuer stehen dem Klimafonds inklusive EU-Mitteln rund 100 Mio. Euro zur Verfügung, davon fast die Hälfte für Forschung. In der Energieforschung habe man im Vorjahr 80 Prozent der Einreichungen aus budgetären Gründen ablehnen müssen, so Vogel. Das seien vertane Chancen für Österreich, es gehe sowohl um die Klimaziele als auch um den globalen Markt.

WEB http://www.apg.at/

Quelle: APA