Siemens Energy soll künftig keine Kohlekraftwerke mehr bauen

09.07.2020
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<br /> - Quelle: APA/AFP.
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Siemens Energy soll nach dem Willen ihres künftigen Aufsichtsratschefs aus dem Bau von Kohlekraftwerken aussteigen. "Der Kampf gegen den Klimawandel erfordert eine entschlossene Umstellung der Stromerzeugung, denn sie ist für etwa 40 Prozent der globalen energiebezogenen CO2-Emissionen verantwortlich", sagte Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser auf der Online-Hauptversammlung, die über die Abspaltung der Energietechnik-Tochter entscheiden sollte.

"Deshalb habe ich den Vorstand der Siemens Energy AG gebeten, zügig einen stakeholdergerechten Plan zum Ausstieg aus der Stromerzeugung durch Kohle vorzulegen." Bisher fußt ein Großteil des Geschäfts von Siemens Energy auf Kohle- und Gas-Kraftwerken. Auf einen Zeitplan legte sich Kaeser nicht fest. Er ist designierter Aufsichtsratschef von Siemens Energy. Der Plan werde "verantwortungsvoller sein als manche Aktivisten das einseitig fordern, aber sicher konsequenter als Zögerlinge dies für notwendig halten", sagte der Vorstandschef. Siemens ist seit Jahren mit Kritik von Klimaschützern konfrontiert. Man müsse den weltweit steigenden Strombedarf decken und gleichzeitig dem Klimawandel "in wirtschaftlicher sinnvoller Weise begegnen", sagte Kaeser. Ein Hoffnungsträger ist dabei neben der Windkraft die Wasserstoff-Technologie.

Wenn die Hauptversammlung wie erwartet zustimmt, wird Siemens Energy vom 28. September an eigenständig an der Frankfurter Börse gelistet. Die Siemens-Aktionäre bekommen für je zwei Papiere eine Siemens-Energy-Aktie ins Depot gebucht. Bei der Siemens AG bleiben zunächst 35,1 Prozent der Anteile, 9,9 Prozent liegen beim Siemens-eigenen Pensionsfonds. Kaeser und seine Vorstandskollegen erhoffen sich von der Abspaltung Schub für den Aktienkurs. Sie sei "weder ein Schnellschuss noch eine Notlösung, weder eine Zerschlagung noch eine Modeerscheinung", sagte er. Die Bewertungen der beiden Unternehmen dürften höher sein als der Börsenwert der bisherigen Siemens AG allein, sagte Finanzvorstand Ralf Thomas. Mit 29 Milliarden Euro Umsatz steht die Siemens Energy AG mit ihren 91.000 Mitarbeitern für ein Drittel des Siemens-Geschäfts.

Kaeser hält den verbleibenden Konzern mit dem Industrieautomatisierungs-, dem Infrastrukturtechnik- und dem Zug-Geschäft im Vergleich zu den wichtigsten Rivalen in Europa für "außergewöhnlich niedrig" bewertet. "Durch Fokussierung und Innovation" lasse sich der Siemens-Firmenwert deutlich steigern. Jefferies-Analyst Simon Toenessen sieht Chancen, dass die Aktie angesichts der Abspaltung in den nächsten Monaten um bis zu 40 Prozent steigt. Siemens Energy sei fast 20 Milliarden Euro wert. Thomas rechnet aber mit Druck auf die neue Siemens-Energy-Aktie, die zunächst ihren Platz im Nebenwerteindex MDax finden dürfte: Mehr als ein Drittel der Papiere dürften binnen zwei oder drei Monaten den Besitzer wechseln, weil das Unternehmen nicht mehr ins Portfolio von Technologie-Investoren passt.

Quelle: APA/ag