RWE feilt nach Transformation an neuer Strategie

12.09.2019
RWE will sich breit aufstellen
<br /> - Quelle: APA7dpaRWE will sich breit aufstellen
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Der deutsche Energiekonzern RWE will sich nach dem geplanten Umbau zum Ökostromriesen mit einer neuen Strategie breit aufstellen. "Wir werden uns genau ansehen, welche Marktposition wir in welchen Ländern haben und wie wir diese stärken können, und wir haben finanzielle Flexibilität", sagte Finanzchef Markus Krebber in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters.

Der Konzern erwarte mit Spannung und Freude die Freigabe des mit E.ON vereinbarten Innogy-Deals. RWE will in diesem Zuge das Ökostromgeschäft der Tochter und das von E.ON übernehmen. "Im erneuerbaren Geschäft ist es wichtig, über Technologien und Regionen diversifiziert zu sein, um Erfolg zu haben."

Der lange Zeit auf Kohle und Atomenergie setzende Konzern will sich durch die Transaktion zu einem der größten Ökostromkonzerne Europas wandeln. "Wenn wir Klarheit über die Umsetzung haben, werden wir Schritt für Schritt unsere neue Strategie kommunizieren", sagte Krebber. "Wir wollen in den Erneuerbaren wachsen und dazu muss man sich Optionen offenhalten." Er bekräftigte, dass RWE pro Jahr 1,5 Milliarden Euro für den Ausbau des Ökostromgeschäfts bereitstellen werde.

Das Geschäft ist jedoch stark reguliert. "Man ist von regulatorischen und politischen Rahmenbedingungen abhängig, die sich schnell ändern können, insofern ist Diversifizierung hilfreich", betonte Krebber. Auch auf die Größe komme es an. "Größe ist ein entscheidender Faktor, um den technologischen Fortschritt umzusetzen und um günstigere Stromproduktionskosten zu erzielen." RWE wolle seine Position in einigen Ländern noch stärken. "Erwarten Sie keine Riesentransaktionen. Aber wir wollen in den Erneuerbaren wachsen und dazu muss man sich Optionen offenhalten."

Spekulationen, RWE wolle sich von seiner Rest-Beteiligung von 25,1 Prozent an dem Übertragungsnetzbetreiber Amprion trennen, erteilte der Manager eine Absage. "Wir sind mit unserer Beteiligung an Amprion zufrieden und möchten sie gern weiter behalten. Amprion kommt historisch aus der RWE-Gruppe." Langfristig möglich ist nach seinen Worten ein Verkauf des 16,7-Prozent-Pakets an E.ON, das RWE im Zuge der Transaktion erhalten soll. Experten schätzen den Wert auf bis zu vier Milliarden Euro. "Es ist auch klar, dass wir über einen Anteil an E.ON verfügen, der uns sicher kurzfristig Freude bereitet und der langfristig theoretisch auch in andere Geschäfte investiert werden kann", erklärte Krebber. "Das wären Geschäfte, die wir heute auch schon betreiben."

Im RWE-Aufsichtsrat sitzt der frühere österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP). Innogy ist in Österreich maßgeblich an der Kärntner Kelag beteiligt.

Quelle: APA/ag