Künftiger UN-Klimabeauftragter Carney macht Druck auf Firmen

14.02.2020
Carney will konkrete Vorschläge sehen
<br /> - Quelle: APA (AFP)Carney will konkrete Vorschläge sehen
- Quelle: APA (AFP)

Der scheidende britische Notenbankchef und künftige UN-Sonderbeauftragte für Klimaschutz und Finanzen, Mark Carney, mahnt die Unternehmenswelt zur Eile bei der ökologischen Wende. Bis zum November sollten Firmen Strategien zum Abbau der CO2-Emissionen und zum Umstieg auf grüne Energien vorlegen, sagte er in einem am Freitag. Im November findet in Glasgow die UN-Klimakonferenz statt.

Jedes Unternehmen müsse einen Plan für die ökologische Wende parat haben und dabei Risiken und Chancen auflisten. "Bis Glasgow muss das alles in die Wege geleitet sein", forderte der Notenbankchef in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Es dürften im Umgang mit dem Klimawandel keine Fragen mehr aufgeworfen werden, vielmehr müsse nun eine neue Norm geschaffen werden.

Carney gibt sein Amt an der Spitze der Bank of England Mitte März ab und wechselt dann als Sonderbeauftragter zu den Vereinten Nationen. Mitte vorigen Jahrzehnts hatte Carney die Arbeitsgruppe "Task Force on Climate-related Financial Disclosures" - kurz TCFD - mit aus der Taufe gehoben, die Empfehlungen erarbeitet, wie auf klimabedingte Risiken reagiert werden soll. Dabei geht es beispielsweise um freiwillige Angaben zu klimabezogenen Finanzrisiken, die auch Anlegern zur besseren Orientierung dienen sollen.

Carney schlug nun vor, über Wege nachzudenken, wie die TCFD zu einem verbindlichen System gemacht werden könne: "nicht über Nacht, sondern über Börsennotierungsanforderungen oder Offenlegungsstandards in der Wertpapierregulierung". Dies müsse allerdings ein weltweiter Ansatz sein, wobei die einzelnen Weltregionen auch eigene Pläne zur Verringerung des Kohlendioxidausstoßes vorlegen sollten.

Die EU ist dabei bereits vorgeprescht: Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sieht Europa in einer Vorreiter-Rolle beim Klimaschutz. Ihr sogenannter Green Deal sieht vor, dass die EU bis 2050 klimaneutral sein soll, also praktisch kein CO2 mehr produziert. Es sind insgesamt für die nächsten zehn Jahre eine Billion Euro vorgesehen, wobei ein Drittel durch private Investitionen aufgebracht werden soll.

Zuletzt hat auch die Debatte über die mit dem Klimawandel verbundenen Risiken für die Wirtschaft und das Finanzsystem Fahrt gewonnen. Der Vermögensverwalter Blackrock drängt beispielsweise Konzerne zu größeren Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel. Andernfalls würden sich die Anleger zunehmend abwenden, warnte Blackrock-Chef Larry Fink zu Jahresbeginn in einem viel beachteten Brief an Konzernchefs. Unlängst hat zudem der Ölkonzern BP das Ziel der Klimaneutralität für 2050 ausgegeben. Carney lobte das Unternehmen ausdrücklich dafür.

Quelle: APA/ag.