Kosovo schließt sich albanischem Stromnetz an

03.12.2019

Zwischen Serbien und dem Kosovo ziehen neue Spannungen auf. Das seit 2008 unabhängige und hauptsächlich von Albanern bewohnte Land will sein Stromnetz an jenes des benachbarten Albanien anschließen. Ein diesbezügliches Abkommen unterzeichneten Vertreter der Elektrizitätsversorger beider Länder in Tirana, berichtete das kosovarische Portal "koha.net". Belgrad protestierte umgehend.

Das Abkommen bewirkt, dass sich der kosovarische Stromversorger künftig vom serbischen Übertragungsnetzbetreiber EMS abkoppeln und an den albanischen Netzbetreiber ÜNB anschließen kann. Es soll im April 2020 in Kraft treten.

Marko Djuric, der Leiter des serbischen Regierungsbüros für das Kosovo, legte scharfen Protest ein. "Ein energetisches Groß-Albanien wird es nicht geben", erklärte er in Belgrad. Serbien unterstellt dem Kosovo immer wieder, sich mit Albanien zu einem "Groß-Albanien" vereinigen zu wollen. Serbien betrachtet den Kosovo nach wie vor als eigenes Staatsgebiet.

Faktisch hatte Serbien 1999 die Kontrolle über seine einstige Provinz verloren, nachdem die NATO mit Luftangriffen gegen die Vertreibung von Albanern durch die serbischen Sicherheitskräfte interveniert hatte. Die einseitige Unabhängigkeitserklärung im Februar 2008 wurde von einem großen Teil der internationalen Gemeinschaft, darunter die USA und fast alle EU-Staaten, anerkannt, nicht aber von den UNO-Vetomächten Russland und China.

Serbien hintertreibt mit russischer Unterstützung alle Versuche des Kosovo, sich internationale Anerkennung zu verschaffen. Diesbezüglich konnte Belgrad jüngst einige Erfolge verbuchen. So wurde im Vorjahr die Aufnahme des Kosovo in die internationale Polizeiorganisation Interpol verhindert. Pristina reagierte darauf, indem es hohe Strafzölle auf die Einfuhr von Waren aus Serbien verhängte.

Erst vor wenigen Wochen gab der serbische Außenminister Ivica Dacic bekannt, dass das westafrikanische Ghana die Anerkennung des Kosovo rückgängig gemacht habe, als mittlerweile 16. Staat. Laut dem US-Sender Radio Free Europe war bei diesen Rückziehern Russland am Werk. So sollen den Erklärungen in einigen Fällen bilaterale Abkommen der betreffenden Staaten mit Russland voraus gegangen sein, die deren Bürger von der Visapflicht bei der Einreise nach Russland befreiten.

Quelle: APA/dpa