Burgenland - 75 Maßnahmen gegen den Klimawandel

03.12.2019

Um die Auswirkungen des Klimawandels einzudämmen, hat das Burgenland eine Klima- und Energiestrategie erarbeitet. 75 kurz- und mittelfristige Maßnahmen in zehn verschiedenen Bereichen, von der Energiegewinnung über den Verkehr bis zur Bewusstseinsbildung, sollen vor allem zu einer Reduktion der Treibhausgase beitragen.

"Unser Klima verändert sich jetzt schon. Die Sommer werden heißer, die Niederschläge zwar weniger, aber wenn sie auftreten, dann umso heftiger", stellte Landesrätin Astrid Eisenkopf bei der Präsentation in Pamhagen fest. Die globale Klimaerwärmung sei zwar nicht mehr aufzuhalten. "Aber sie ist in den Folgen immer noch einzudämmen auf ein erträgliches Maß", so Eisenkopf. Einer Studie aus dem Jahr 2017 zufolge werde es - sofern keine weiteren Klimaschutzmaßnahmen gesetzt werden - auf das Burgenland bezogen rund 32 Hitzetage mehr und 16 Frosttage weniger geben. "Das Zeitfenster für Maßnahmen schließt sich langsam", sagte Eisenkopf.

Im Burgenland seien bereits viele Maßnahmen umgesetzt worden, etwa beim Ausbau der Windenergieanlagen - jedes dritte Windrad Österreichs stehe im Burgenland. Die Windkraftproduktion betrage zwischen 130 und 180 Prozent des landesweiten Stromverbrauchs. Ziel sei es, bis 2050 den gesamten Energiebedarf aus erneuerbarer Energie zu decken und so auch Klimaneutralität zu erreichen.

In jedem der zehn thematischen Maßnahmenfelder gebe es ein Vorzeigeprojekt. Mit der Umsetzung sei teilweise schon begonnen worden. So soll beispielsweise die Landesverwaltung klimaneutral werden. Dies umfasse unter anderem den Ausstieg aus Ölheizungen in öffentlichen Gebäuden. Auch einige Gemeinden hätten schon rückgemeldet, dass sie bereit wären, auf alternative Systeme umzustellen, berichtete die Landesrätin.

Auch eine Evaluierung der Dachflächen im Bereich der Burgenländischen Landesholding wurde durchgeführt - über 18.000 Quadratmeter Dachflächen sollen in einem ersten Schritt für Photovoltaikanlagen zur Verfügung gestellt werden, erläuterte Eisenkopf. Zu den geplanten Maßnahmen zählt weiters die Vermeidung von Dienstreisen, soweit dies möglich sei, und ein zusätzliches Angebot an Teleworking. Der Fuhrpark des Landes soll in den kommenden Jahren auf alternative Antriebe umgestellt werden.

Allein die Energie Burgenland soll bis 2025 rund 233 Mio. Euro in moderne Photovoltaikanlagen investieren. Bis 2025 wolle man die PV-Flächen verzehnfachen. Im Bezirk Neusiedl am See sollen ab Herbst 2020 15 Wasserstoff-Busse rollen und bis 2024 sollen weitere 14 dazukommen.

Unter anderem durch Heizungstausch und eine Anhebung der Sanierungsquote sollen die Emissionen im Gebäudebereich gesenkt werden. Bis 2030 sollen alle Ölheizungen durch klimafreundliche Alternativen ersetzt werden.

Eine wichtige Rolle kommt der Bewusstseinsbildung zu: Unter anderem wolle man eine Klima- und Energieberatung für Gemeinden und Unternehmen einrichten. Im Bereich der Mobilität sollen die Treibhausgasemissionen etwa durch eine Verdichtung der Bahnverbindungen auf den bestehenden Strecken und einen Ausbau des Mikro-Öffentlichen Verkehrs sowie des E-Tankstellennetzes reduziert werden. Auch in den Bereichen Landwirtschaft, Naturschutz, Abfallwirtschaft und Raumplanung sind zahlreiche Maßnahmen vorgesehen.

Die in einem umfangreichen Bürgerbeteiligungsprozess entwickelte Klimastrategie soll alle drei Jahre durch eine unabhängige Arbeitsgruppe evaluiert werden, kündigte die Landesrätin an. Die Strategie solle "ein lebendes Dokument" sein. "Auf die Bio-Wende soll nun die Klimawende im Burgenland folgen", sagte Eisenkopf.

Grüne wünschen sich mehr Tempo

"Die Richtung stimmt, das Tempo nicht", kommentierten Burgenlands Grüne die von Eisenkopf präsentierte Klima- und Energiestrategie. Das Programm sei in einigen Punkten "durchaus ambitioniert", stellte Landessprecherin Regina Petrik in einer Aussendung fest. Zentrale Punkte des Klimaschutzes, wie die Eindämmung des Bodenverbrauchs, würden ihr aber fehlen.

In der Klimastrategie finde man Maßnahmen, "die wir seit Jahren im Landtag einfordern und die bisher von den Regierungsfraktionen abgelehnt wurden. Landesrätin Eisenkopf hat offensichtlich mehr Klimaschutz-Ambitionen als ihr Landtagsklub und das ist sehr erfreulich", betonte Petrik. Im Bereich der Mobilität sei das Programm aber insgesamt sehr zurückhaltend. "Es fehlt der Mut zu sagen, dass eine wirksame Klimastrategie, die die nachhaltige Reduktion des CO2-Ausstoßes anstrebt, eine Reduktion des Autoverkehrs beinhalten muss."

Auch das große Problemfeld Bodenversiegelung und Flächenfraß sei nur in der Überschrift "Raumordnung" abgebildet. "Die SPÖ wird einen im Klimaschutz bewährten und mutigen Koalitionspartner in der Landesregierung brauchen, um die Strategie noch auszubauen und umzusetzen", sagte Petrik. In einem zentralen Punkt stimme sie Eisenkopf zu: "Das Zeitfenster, um die Klimakrise abzuschwächen, schließt sich schnell."

Quelle: APA