Wien Energie stellt Vertrieb neu auf

19.05.2017

Die Wien Energie rüstet sich für Digitalisierung und Wettbewerb und stellt dafür ihren Vertrieb neu auf. "Wir wollen auf jeden Fall näher an den Kunden heranrücken. Wir tun das, indem wir unseren Vertrieb komplett umorganisieren", sagte Wien-Energie-Chef Michael Strebl im "trend"-Interview.

Bisher habe er produktorientiert funktioniert, "jetzt stellen wir alles um. Das betrifft bei uns über 150 Menschen, wir stellen uns ganz neu auf." Alle Führungspositionen bis zum obersten Vertriebsschef würden dafür neu und auch extern ausgeschrieben. Einen neuen Vertriebsschef will man bis Sommer gefunden haben. Die Umorganisation werde bis Herbst abgeschlossen sein, so Strebl.

Dass das ein wenig nach Mitarbeiterabbau klinge - "das ist das falsche Wort. Wir stellen uns neu auf", so der seit Oktober vergangenen Jahres amtierende Chef der für Vertrieb und Produktion zuständigen Wien Energie GmbH. "Das bedeutet allerdings, dass wir im Laufe der Zeit um rund 300 Stellen im Konzern durch natürlichen Abgang reduzieren werden." Bei der Wien Energie sind wie berichtet rund 300 Mitarbeiter vom Sparprogramm der Wiener Stadtwerke betroffen.

Digitalisierung ändert alles

In der Energiewirtschaft werde kein Stein auf dem anderen bleiben, "die bisherigen Geschäftsmodelle wird es völlig auf den Kopf stellen", so Strebl. Die Digitalisierung werde Kunden und Anbieter näher zueinander führen. So werde es immer mehr Kunden geben, die ihre Bedürfnisse punktgenauer versorgt wissen wollten. Es werde auch viel mehr variable Tarife geben, weil die Kunden selbst in die Erzeugung gingen und daher für die Versorger die Wertschöpfungstiefe deutlich flacher werde. Der Vertrieb eines Produktes werde sich jedenfalls von seiner Erzeugung lösen. "Man muss daher ganz anders planen und agieren, anders auf die Kunden zugehen", betont Strebl.

Die ganz große Herausforderung werde sein, sich plötzlich mit Mitbewerbern matchen zu müssen, mit denen niemand gerechnet habe. "Wer sagt zum Beispiel, dass nicht schon bald die Googles und Apples und Teslas dieser Welt grenzüberschreitend Energie anbieten werden?" Möglich sei dies nur über intelligente Verteilnetze inklusive Smart Meter. "Überlegen Sie, was sich damit alles an Daten sammeln lässt. Und überlegen Sie, wie wertvoll Daten für diese Unternehmen sind. Dann wissen Sie, warum Energieversorgung für Konzerne wie Google oder Apple Sinn macht." Es würden aber auch noch viele andere kommen. In Wien beispielsweise habe man es derzeit bereits mit mehr als hundert Mitbewerbern zu tun, die alle Energieversorgung in der einen oder anderen Weise anbieten.

Quelle: APA