Pumpspeicherkraftwerk Molln wird Fall für Schiedsgericht

17.02.2017

Der seit Jahren geplante Bau des Pumpspeicherkraftwerks Pfaffenboden in Molln (OÖ) wird jetzt ein Fall für ein Schiedsgericht. Grund ist ein Konflikt zwischen dem Grundstückeigentümers Kurt Bernegger und dem Betreiber des 320 Mio. Euro-Projektes, der Wien Energie GmbH. Der Streitwert soll 20 Millionen Euro betragen, berichteten die "Oberösterreichischen Nachrichten" (OÖN).

Wegen der "unterschiedlichen Auffassung über die Projektfortsetzung wird jetzt ein Schiedsverfahren entscheiden", bestätigte eine Unternehmenssprecherin. Nähere Angaben wollte sie dazu nicht machen. Seit Herbst 2012 hätten eigentlich schon Bauaufträge zur Errichtung vergeben werden sollen, damit ab 2017 Strom für 150.000 Haushalte geliefert werden könne. Doch die Partnersuche für das Kraftwerk verlief bisher ergebnislos, Verwerfungen am Strommarkt ließen laut OÖN alle möglichen Investoren Abstand von dem Vorhaben in Molln nehmen.

Sollte bis 2017 nicht mit dem Bau begonnen werden, falle laut Bauunternehmer Bernegger das Recht, dort ein Kraftwerk zu errichten und zu betreiben, auf ihn zurück. Jene 20 Mio. Euro, die die Wien Energie angeblich bereits gezahlt habe, will der Grundstückseigentümer mit Verweis auf den Vertrag jedoch nicht zurückzahlen. Wien Energie betont, aber nach wie vor Interesse an der Realisierung des Werks zu haben. Man sei noch immer auf der Suche nach Beteiligungspartnern. Nun soll ein Schiedsgericht in Tirol prüfen.

Laut ursprünglichem Plan soll das Pumpspeicherwerk die täglichen Schwankungen zwischen niedrigen und hohen Strompreisen ausnützen: Wenn Strom günstig ist - zu Zeiten geringen Bedarfs - soll Wasser 600 Meter hoch auf den Berg gepumpt werden und zu Spitzenstrom-Zeiten zum Antreiben der Turbinen entnommen werden. Soweit die Theorie. Faktisch gibt es echte Spitzenstrom-Zeiten kaum noch, heißt es in der E-Wirtschaft. Eine Ursache ist etwa das große Wind- und Solarstromaufkommen, das zeitweise sogar zu negativen Strompreisen führt. Auch Gaskraftwerke rentieren sich deshalb derzeit kaum, da die Gasbeschaffungskosten oft höher sind als die Erlöse des damit gewonnenen Stroms.

Quelle: APA